Literatur

Jürgen Ponto-Stiftung Literatur

Im Bereich der Literatur fokussiert sich das Engagement der Jürgen Ponto-Stiftung auf das wichtigste Ereignis am Beginn einer schriftstellerischen Karriere: die Veröffentlichung des ersten Buches.

In einer Schreibwerkstatt erhalten Nachwuchsautoren professionelle Unterstützung bei der Ausarbeitung ihres Buchmanuskripts, das die Basis für die Veröffentlichung ihres Erstlingswerks sein soll. Mit dem Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung werden Autorinnen und Autoren ausgezeichnet, die bereits einen Verlag von ihrem ersten Werk überzeugt haben, dessen tatsächliche Veröffentlichung aber noch ansteht.

Literaturpreis

Seit 1978 vergibt die Jürgen Ponto-Stiftung einmal im Jahr ihren renommierten Literaturpreis. Mit dem mit 15.000 Euro dotierten Förderpreis werden junge Autorinnen und Autoren unterstützt, die an ihrem ersten Buchmanuskript arbeiten und eine besondere literarische Begabung erkennen lassen.

Die Bewerbung der Autoren erfolgt ausschließlich über den Verlag, in dem das entsprechende Erstlingswerk erscheinen wird. Über den Preisträger entscheidet eine Jury. Ihr gehören der Fachkurator der Stiftung für den Bereich Literatur sowie zwei jährlich neu zu ernennende Autoren oder Literaturkritiker an.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören u. a. Einar Schleef (Gertrud, Roman, 1981), Arnold Stadler (Ich war einmal, Roman, 1989), Kurt Drawert (Spiegelland. Ein deutscher Monolog, Roman, 1991), Zoë Jenny (Das Blütenstaubzimmer, Roman, 1997), Andreas Maier (Wäldchestag, Roman, 2000), Zsuzsa Bánk (Der Schwimmer, Roman, 2002) Reinhard Kaiser-Mühlecker (Der lange Gang über die Stationen, Roman, 2007), Franz Friedrich (Die Meisen von Uusimaa singen nicht mehr, Roman, 2014), Sasha Marianna Salzmann (Außer sich, Roman, 2017) und Philipp Weiss (Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen, Roman, 2018).

LITERATURPREIS 2019

Der Literaturpreis 2019 der Jürgen Ponto-Stiftung geht an Miku Sophie Kühmel. Die Autorin wird für ihren Debütroman Kintsugi ausgezeichnet, der am 28. August im S. Fischer Verlag erscheinen wird.

Miku Sophie Kühmel wurde 1992 in Gotha geboren. Sie hat an der Humboldt-Universität zu Berlin und der New York University studiert, unter anderem bei Roger Willemsen und Daniel Kehlmann. Seit 2013 erscheint ihre Kurzprosa regelmäßig in Zeitschriften und Anthologien. Außerdem erzählt sie ihre Geschichten auch in Radiostücken und Podcasts. Kintsugi ist ihr erster Roman.

Der Roman erzählt von Reik und Max, die seit 20 Jahren ein Paar sind. Verheiratet sind sie nicht. Dennoch soll dieses Jubiläum gefeiert werden, wenn auch in kleiner Runde. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und seine Tochter Pega, die so alt ist wie die Beziehung von Max und Reik. Man trifft sich in ihrem Haus am See, um gemeinsam ein ruhiges Wochenende zu verbringen. Doch schnell wird klar, dass irgendetwas in der Luft liegt. Vor allem sind es Tonios Anspielungen auf eine inzwischen auch juristisch möglich gewordene Heirat, die für Spannungen sorgen; ebenso wie die Anwesenheit seiner Tochter Pega, die in Max und Reik ihre erweiterte Familie sieht, jedoch mit beiden auf unterschiedliche Weise verbunden ist. In Kintsugi schreibt Miku Sophie Kühmel über menschliche Beziehungen, die gelingen, aber auch scheitern können. Kintsugi ist das traditionelle japanische Kunsthandwerk, zerbrochenes Porzellan mit Lack und Gold zu reparieren.

„Ein überaus beeindruckend konzentriert verfasstes Debüt, das zudem ein erhöhtes Lesevergnügen bereitet: Der Roman Kintsugi entwickelt einen neuen, zeitgemäßen Blick auf Lebens-und Liebeskonzepte und überzeugt als Ensemble-Roman mit äußerst differenzierter Figurenpsychologie. Die Polyperspektivität, die durch die Anordnung der Erzählenden entsteht, wirkt plastisch und glaubwürdig. Der Roman zeugt von großer Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe“, so das Urteil der Jury, der in diesem Jahr Hauke Hückstädt, Leiter des Frankfurter Literaturhauses und Fachkurator der Jürgen Ponto-Stiftung für den Bereich Literatur, die Schriftstellerin Antje Rávik Strubel sowie der Literaturkritiker Michael Braun angehörten. „Kintsugi ist der Titel eines Beziehungs-Dramas, das zu keiner Zeit ins Theatralisch-Aufgeregte verfällt, sondern sich in den Beiläufigkeiten zeigt. Die vier konsequent komponierten Perspektiven ergeben beinahe wie von selbst die Gliederung dieses Debüts, das um so beeindruckender ist, als es sich auf nur wenige Vorbilder berufen kann; am deutlichsten womöglich auf Goethes Wahlverwandtschaften oder aber auf, um eine zeitgenössische Referenz zu bemühen, Hanya Yanagiharas A Little Life, a Novel“, so die Jury weiter

Jürgen Ponto-Stiftung Literatur Philipp Weiss

Literaturpreis 2018

Den Literaturpreis 2018 der Jürgen Ponto-Stiftung hat Philipp Weiss erhalten. Der Autor wurde für seinen Debütroman „Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen“ ausgezeichnet, der im Suhrkamp Verlag Berlin erschienen ist.

Philipp Weiss ist 1982 in Wien geboren und studierte Germanistik und Philosophie. 2009 nahm er mit seinem Text „Blätterliebe“ am Ingeborg-Bachmann-Preis teil. 2011 gewann er mit seinem Stück „Allerwelt“ das Hans-Gratzer-Stipendium; „Allerwelt“ gelangte im Schauspielhaus Wien zur Uraufführung, wo Weiss in der Spielzeit 2013/14 Hausautor war. „Ein schöner Hase ist meistens der Einzellne“ gewann 2015 den Preis der Theatertage Lyon und erschien auf Französisch in der Édition Théâtrales (Montreuil).

Der Roman erzählt in fünf Bänden von Verlust, Aufbruch, von Verwandlung und der Begegnung des Menschen mit dem Unvorhersehbaren. Die siebzehnjährige Paulette erlebt im Jahr 1871 den Aufstand der Pariser Kommune, bereist als eine der ersten europäischen Frauen das Japan der Meiji-Ära und liegt über hundertdreißig Jahre im Eis der französischen Alpen. Die Klimaforscherin Chantal, ihre Ururenkelin, folgt ihren Spuren nach Fernost, entwirft eine zynische Geschichte des Universums und entflieht zugleich einer Liebe und deren umstülpender Kraft. Der von ihr zurückgelassene Künstler Jona begibt sich auf die Suche, findet in Japan aber nicht Chantal, sondern eine vielfache Katastrophe: ein Erdbeben, eine Welle, einen Atomunfall. Längst ist der Mensch zur zentralen gestaltenden Kraft der Erdgeschichte geworden. Wie aber geht er um mit Erschütterungen der Natur, der Politik und der Liebe?

„In fünf verschiedenen Textgattungen, vom Tagebuch über die Transkription einer Tonaufzeichnung bis zur Graphic Novel, zwischen Europa und Japan, zwischen neunzehntem und einundzwanzigstem Jahrhundert, verfolgt Philipp Weiss mit seinem Romanzyklus Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen die Suche des modernen Menschen nach seiner Bestimmung und Zugehörigkeit in einer sich rasant verändernden Welt. Das expansive erzählerische Vorhaben ist ein literarisches Wagnis, das seine formale Entsprechung in den gleichermaßen kühnen wie tragischen Lebensentwürfen der Figuren findet. Die Leser, die sich auf diese herausfordernde Reise einlassen, werden mit einem beeindruckenden Reichtum an Sprache, Phantasie und Wissen belohnt. Ein wahres Zukunftsversprechen eines zweifelsohne sendungsbewussten Autors“, so das Resümee der Jury, der in diesem Jahr Hauke Hückstädt, Leiter des Frankfurter Literaturhauses und Fachkurator der Jürgen Ponto-Stiftung für den Bereich Literatur, der Schriftsteller Gunther Geltinger sowie der Literaturkritiker Christoph Schröder angehörten.

Literaturpreis 2017

Den Literaturpreis 2017 der Jürgen Ponto-Stiftung erhielt Sasha Marianna Salzmann. Die Autorin wurde für ihren Debütroman „Außer sich“ ausgezeichnet, der im Suhrkamp Verlag Berlin erschienen ist.

Sasha Marianna Salzmann ist 1985 in Wolgograd geboren und in Moskau aufgewachsen. 1995 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Deutschland. An der Universität Hildesheim studierte sie Literatur, Theater und Medien, an der Berliner Universität der Künste zusätzlich Szenisches Schreiben. Seit 2013 verbindet Salzmann eine enge Zusammenarbeit mit dem Maxim Gorki Theater Berlin, zunächst als Autorin, seit 2016 auch als Leiterin der Studiobühne.

Jürgen Ponto-Stiftung

Der Roman dreht sich um Fragen der Zugehörigkeit fernab klassischer Definitionen von Geschlecht, Heimat und Sprache. Die Zwillinge Alissa und Anton wachsen symbiotisch auf, zunächst in einer engen Zweizimmerwohnung im Moskau der postsowjetischen Jahre, dann in einem westdeutschen Asylheim. Später, als Alissa in Berlin lebt, verschwindet Anton spurlos. Als Reaktion auf eine Postkarte ihres Zwillingsbruders, die sie aus Istanbul erreicht, macht sie sich dort auf die Suche nach dem Verschollenen und ruft sich zugleich ihre Familiengeschichte in Erinnerung.

„Salzmann erzählt buchstäblich Außer sich, stets auf der Grenze ihres Körpers, ihrer Sprache, ihrer Gefühle und Wahrnehmungen. Ihr Debütroman ist eine so gewagte wie gelungene Gratwanderung zwischen kulturellen und geschlechtlichen Identitäten. Gleichzeitig folgt ihr Roman den assoziativen Gesetzen der Erinnerung. Auf diese Weise entsteht ein facettenreiches Generationspanorama von der Sowjetunion im 20. Jahrhundert bis ins Europa der Gegenwart“, so das Resümee von Professor Dr. Christof Hamann, Fachkurator der Jürgen Ponto-Stiftung für den Bereich Literatur. Zusammen mit dem Schriftsteller Gunther Geltinger und dem Autor und Literaturkritiker Christoph Schröder zeichnete er für die Auswahl der Literaturpreisträgerin verantwortlich.

Jürgen Ponto-Stiftung Literatur Birgit Birnbacher

Literaturpreis 2016

Den Literaturpreis 2016 der Jürgen Ponto-Stiftung hat Birgit Birnbacher erhalten. Die Autorin wurde für ihren Debütroman „Wir ohne Wal“ ausgezeichnet. Das Buch erschien im September 2016 im Verlag Jung und Jung in Salzburg.

Birnbacher wurde 1985 in Schwarzach im Pongau/Österreich geboren. Sie studierte Soziologie in Salzburg und war als diplomierte Behindertenpädagogin in der Kinder- und Jugendarbeit tätig, unter anderem in Äthiopien und Indien. Sie lebt in Salzburg und arbeitet als Soziologin in den Bereichen Generationenwohnen und Stadtteilarbeit.

In zehn Episoden erzählt Birnbacher von Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein, die auf Suche sind und nicht einmal so recht wissen, was und wonach. Von Menschen, die jede Wahl haben, aber keinen festen Platz in der Gesellschaft. Die ihr Leben so leben, als würden sie auf etwas warten, während sich längst Entscheidendes ereignet. Ist das schon das Leben? Ist das alles schon ernst? Und während sie sich fragen, was es zum Beispiel zu bedeuten hat, dass der Mensch genetisch zu über 50 Prozent mit einer Banane übereinstimmt, kriegt einer die Kurve und eine andere die Panik. Und während sie sich noch immer auf der Suche glauben, stellen sie fest, sie sind bereits mittendrin. Zehn Figuren lässt Birnbacher davon erzählen, wie sich innerhalb eines Jahres plötzlich alles ändert, obwohl alles ist wie immer.

„Sachlich und poetisch zugleich, hart und weich, realistisch, doch auch ins Irreale gleitend – schöner Roman über junge Menschen in erstaunlich sicherer Sprache“, so das Resümee von Professor Dr. Hans-Martin Gauger, Fachkurator der Jürgen Ponto-Stiftung für den Bereich Literatur. Zusammen mit dem Schriftsteller Arnold Stadler und dem Autor und Literaturkritiker Christoph Schröder zeichnete er für die Auswahl der Literaturpreisträger verantwortlich.

Schreibwerkstatt

Auf Einladung der Jürgen Ponto-Stiftung treffen sich seit 2005 zwei Mal im Jahr jeweils zehn ausgewählte, deutschsprachige Nachwuchsschriftsteller im Herrenhaus Edenkoben in der Pfalz. Bewerben können sich Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und bisher kein eigenes literarisches Werk veröffentlicht haben.

Unter professioneller Anleitung arbeiten sie dabei im Abstand von sechs Monaten jeweils für ein Wochenende an ihren Prosaprojekten. Als Dozenten stehen ihnen während der Werkstattphasen Literaturpreisträger der Stiftung und andere renommierte Autorinnen und Autoren mit ihrer Expertise zur Seite. Zum Abschluss einer jeden Schreibwerkstatt findet im Herrenhaus Edenkoben eine öffentliche Lesung statt, in der die Teilnehmer aus ihren Werken vortragen. Seit 2019 vergibt das Herrenhaus Edenkoben ein fünfmonatiges Residenzstipendium an eine Teilnehmerin resp. einen Teilnehmer der Werkstatt.

Auszüge aus den während der Schreibwerkstatt bearbeiteten Prosaprojekten werden nach Abschluss der Schreibwerkstatt in der Anthologie-Reihe „Federlesen“ dokumentiert.

Anthologie „Federlesen“ bestellen >

Jürgen Ponto-Stiftung Literatur
Jürgen Ponto-Stiftung LIteratur Schreibwerkstatt

Schreibwerkstatt 2019

2019 veranstaltete die Jürgen Ponto-Stiftung die 14. Schreibwerkstatt im Herrenhaus Edenkoben. Geleitet wurde sie von Christopher Kloeble, Literaturpreisträger der Jürgen Ponto-Stiftung 2008, und Olga Grjasnowa, die an der fünften Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung 2010 teilgenommen hatte.

Teilnehmer waren: Konrad Bach, Simone Falk, Charlotte Gneuß, Mariusz Hoffmann, Verena Keßler, Ann-Christin Kumm, Jessica Lind, Theresia Töglhofer.

In diesem Jahr wurde die Vergabe des Residenzstipendiums ausgesetzt.

Schreibwerkstatt 2018

Dozenten der Schreibwerkstatt 2018 waren die Schriftsteller Angelica Ammar und Saša Stanišić. Angelica Ammar hatte 2006 für ihren Debütroman „Tolmedo“ (Ammann Verlag & Co., Zürich) den Literaturpreis der Jürgen Ponto-Stiftung erhalten. Saša Stanišić war Teilnehmer der ersten Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung 2005.

Teilnehmer: Konstantin Ferstl, Valeria Gordeew, Martin Halewitz, Daniel Mellem, Merle Müller-Knapp, Eva Raisig, Stephan Roiss, Slata Roschal, Sabine Schönfellner, Robert Stripling.

Das Residenzstipendium 2019 für einen fünfmonatigen Aufenthalt im Herrenhaus Edenkoben ging an den in Frankfurt am Main lebenden Autor Robert Stripling.

 

Schreibwerkstatt 2017

Dozenten der Schreibwerkstatt 2017 waren der Schriftsteller Reinhard Kaiser-Mühlecker und die Lektorin Dr. Petra Gropp vom S. Fischer Verlag. Die Jürgen Ponto-Stiftung hat Reinhard Kaiser-Mühlecker im Jahr 2007 für den Debütroman „Der lange Gang über die Stationen“ (Verlag Hoffmann und Campe) mit ihrem Literaturpreis ausgezeichnet.

Teilnehmer: Lene Albrecht, Ann-Kathrin Ast, Yannic Federer, Anna Gielas, Gregor Heim, Manon Hopf, Ronya Othmann, Alexander Raschle, Dorothee Riese und Max Schönherr.

Das Residenzstipendium 2018 für einen fünfmonatigen Aufenthalt im Herrenhaus Edenkoben ging an die in Wiesbaden lebende Autorin Manon Hopf.

Schreibwerkstatt 2016

Dozenten der Schreibwerkstatt 2016 waren die Schriftstellerin Carmen Stephan und ihr Lektor beim S. Fischer Verlag, Dr. Sascha Michel. Die Jürgen Ponto-Stiftung hat Carmen Stephan im Jahr 2012 für den Debütroman „Mal Aria“ (S. Fischer Verlag) mit ihrem Literaturpreis ausgezeichnet.

Teilnehmer: Barbara Eder, Simone Schröder, Christian Schulteisz, Marie-Alice Schultz, Julia Rothenburg, Marie Gamillscheg, Valentin Moritz, Julia Powalla, Jochen Veit und Tabea Hertzog.

Das Residenzstipendium 2017 für einen fünfmonatigen Aufenthalt im Herrenhaus Edenkoben ging an den in Heidelberg lebenden Jungautor Christian Schulteisz.